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Montag, 13. Oktober 2014

[38] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Kosake | Pelzjäger
In der Folge war unser ganzer Reisevorrath zu Ende gegangen und unsere  Kräfte geschwunden. Bis zur Grenzfeste blieben zu Wasser drei, durch den Wald 1 ½ Kös nach.

Auf das Wort unserer Führer, dass die drei bis vier Bäche, die sich von der Seite ergössen, kein grosses Hindernis beim gang durch den Wald verursachen würden, stand ich am Morgen bei Sonnenaufgang auf, nahm eine Flinte und ein Beil mit und machte mich mit dem Kosaken und einem Führer zu Fuss auf den Weg durch den Wald, um auf irgend eine Weise am Abend anzukommen und den im Boot zurückgebliebenen Leuten zu Wasser Speise zuzuschicken.

Wir erreichten diesen unseren Vorsatz nicht: als wir uns vom unserm Boot entfernt hatten und eben ½ Kös gegangen waren, stiessen wir auf den ersten und in den Weg kommenden Bach der sich von der Seite ergoss und dessen Wasser bis zum Wald ausgetreten war. Indem wir ihn an der Quelle umgingen und ihn hier, bis an den Gürtel im Wasser watend, überschritten, verloren wir die Hälfte unseres Tages.

Samstag, 12. Juli 2014

[37] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Jakutische Frauen  source

Grosse Seehunde töteten sie durch Flintenschüsse in den Kopf, die kleinen dagegen, die beim Eintreten der Ebbe auf dem Trocknen sitzen bleiben, erlegen sie durch Schläge mit Knütteln. Aus der Haut dieser Thiere schneiden sie verschiedene Riemen; was davon übrig bleibt, hängen sie in Rauch und machen Sohlen daraus.

Mit der Stärke einer solchen Haut wird sich die Haut von wenigen Thieren messen. Enten und Gänse sind in grosser Anzahl vorhanden, vor Allem aber bemerkt man eine Unzahl von verschiedenen Meerschnepfen.

Wenn die Fluth eintritt, kommen diese Schnepfen von der Seeseite geflogen, finden auf den kleinen Inseln keinen Platz und setzen sich eine auf die andere. Ich habe ihrer, wenn sie aufflogen, zu 55 Stück auf einen Schuss getötet.

Samstag, 22. März 2014

[36] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Nachdem wir den Dschugdschur hinab-gestiegen waren, trafen wir, bis wir nach Udskoi gelangten, jeden Abend bei unserm Nachquartier eine Flussbucht an und warfen hier drei Fischernetze aus Haar die wir mit uns führten, aus. Am Morgen fanden wir in diesen unseren Netzen zwei oder drei Fische, die Charius (Salmo thymallus) heissen. Dieser Fisch kam uns beim Essen sehr zu statten; wenn er nicht da gewesen wäre, hätten wir auf unserer Reise blosse Grütze mit ranzig gewordener Butter essen müssen.

Auf solche Weise reisend, gelangten wir um die Mittel des Sommers nach Udskoi, Udskoi liegt am linken Ufer eines Flusses, der den Namen Ud führt, in einer Gegend, wo sich das hohe Gebirge neigt und zu einem ziemlich breiten Thale wird.




Freitag, 7. Februar 2014

[35] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Rentier
Das von uns geschossene Thier, das im Sterben auf die Seite gefallen und von dem vorspringenden Stein, auf dem es stand, hinuntergeglitten war, rollte in einen Abgrund hinab, dessen Boden kaum sichtbar war, so dass durch das Getöse vom beständigen Anschlagen der Hörner and die Steine fiel, war, bis es den Boden erreichte, kein Stück vom Körper übrig geblieben.

Auch wird es unser Glück gewesen sein, dass dieses Schaf auf jede Weise vom Steine, auf dem es stand, abglitt und hinunterfiel: wenn es auf seinem Platze stehend verendet wäre, wären wir vielleicht selbst beim Heraufziehen dasselben an seine Stelle in den Abgrund gefallen.

Sonntag, 12. Januar 2014

[34] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Hunters of Siberia || H. G. Cutter and L. W. Yaggy, Panorama of Nations(Chicago: J. V. F. Company, 1892) 358 || source

Steigen ist beschwerlich, hinuntergehen leicht. Nach diesem Gesetz kamen wir vom Dschugdschur, im Vergleich zu unserem Hinaufsteige, um dreimal schneller hinunter.

Vom Steigen und Hinabgehen dieses Gebirges, das gegen 16 Stunden gedauert hatte, und vom Kampf mit Schwärmen von Mücken, Wespen und Bremsen während dieser Zeit, waren wir mit unseren Pferden und Renntieren so ermüdet, dass wir uns nicht rühren konnten.

Aus diesem Grunde machten wir Halt, sobald wir den Berg hinunter gekommen waren und ein Nachtlager zum Ausruhen gefunden hatten. Als wir hier, unmittelbar nach Abnahme des Gepäcks von den Pferden, zur Abwehr des Ungeziefers Mist angezündet hatten und Thee gekocht hatten, und gerade im Begriff waren, die zweite Tasse zu trinken, kam mein Hund, den ich freigelassen hatte, aus dem Innern des Waldes gelaufen und gab durch Winseln und Bellen zu verstehen, dass ein Thier in der Nähe sei.



Samstag, 11. Januar 2014

[33] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Jakutien - Yakutia by ░S░i░l░a░n░d░i░
Jakutien - Yakutia, a photo by ░S░i░l░a░n░d░i░ on Flickr. ||  Lena river

Von diesem Punkte erscheinen alle Berge, die das menschliche Auge übersieht, und die zuerst sehr hoch erscheinen, als ganz unbedeutende niedrige Hügel. Die von beiden Seiten dieses Dschugdschur entspringende und herababfliessende zahllose breiten Flüsse erscheinen wie dünne blitzende Silberfäden.

Wenn die Wolken an einem regnerischen Tage sich neigend, dem Nebel gleich dahinfliegen, streifen sie an diesen hohen Dschugdschur und reissen aus einander. Diese aus einander gerissenen Wolken liegen auf der Spitze des Berges und schwanken wie ein dicker, mit Mehl gemischter Brei aus Fichtenrinde, der sich ergossen hat.

Das Auge eines, auf der äussersten scharfen Kante dieses sich and den Wolken reibenden Gebirges stehenden Menschen bemerkt, wie ein Thau- oder Regengtropfen auf die Schneide eines mit seiner scharfen Kante nach oben stehenden Steines fällt, sich nach beiden Seiten hin theilt, hinabfällt und kaum bemerkbar sich hinunterzieht.

Mittwoch, 27. November 2013

[32] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien


Nachdem wir eine Stecke von mehr als 10 Kös vom Urschur zurückgelegt hatten, kamen wir zu einem Gebirge, mit Namen Dschugdschur (auch: der grosse Anberg), das wir schon lange erwartet hatten. Dieses Gebirge wird der Gürtel oder das Rückgrath des Landes genant. Das ganze Land Sibirien umgürtend, einem Rückgrath gleich, sich nirgends senkend oder eine Unterbrechung erleidend, erreicht es länges einer Oberfläche von mehreren 1000 Kös kaum unterhalb der Wolken des Eismeere, wo es, sich senkend , aufhört. Gerade als eben Mittag vorüber war, langen wir am Fusse dieses Gebirges an, machten Halt und nächtigten hier, damit unsere Pferde ausruhten.

Samstag, 23. November 2013

[31] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Einmal hielt ich bis zur Hälfte meines Körpers im Koth stehend, unter denen auf dieser Weise gestürzten Pferde die Köpfe von drei gefallenen Pferde in die Höhe, damit sie nicht im Wasser ersticken. Während ich so stand, fiel ein neben mir versinkendes viertes Pferd so hin, dass es nicht mehr aufstehen konnte, und kaum dass es seinen Kopf zwei- bis dreimal in’s Wasser gesteckt hatte, so war es Todt, ehe man sich’s versah.

Dieser Beschwerden vermehrten sich noch durch die Schwärme von Mücken, die einen nicht atmen liessen. Inmitten dieser Mücken kam man um Essen und Trinken: kaum hattest du irgend Etwas in ein Gefäss gegossen, so füllten sie, indem sie hineinfielen, dasselbe in einem Augenblick, während du es zu deinem Mund führtest.

Donnerstag, 21. November 2013

[30] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Als wir auf zwei kleine Kös den Berg erreicht hatten, trafen wir viele Reisende versammelt  an. Diese Leute erzählten, dass der Schnee auf diesem beschwerlichen Berge 13 Spannen hoch läge und dass, es demnach auf keiner Weise möglich wäre, auf diesen Berg zu gelangen. Sobald ich hier angekommen war, brachten unsere Leute von allen den mit Pferdekoppeln versehenen Leuten gegen 10 Pferde und 10 Rennthiere zusammen, führten, mit Schneeschuhen versehen, diese unbeladen und brachen den Schnee des beschwerlichen Berges.

Am anderen Morgen stiegen wir alle mit der grössten Anstrengungen über jenen Berg. Am ersten Mai gelangten wir zum Udskoi’schen Jahrmarkt.

Nachdem ich an diesem Versammmlungsorte den Jasak eingesammelt und andere kaiserliche Aufträge beendigt, sowie die Kräfte der Pferde, die bis zur Erschöpfung heruntergekommen waren, hergestellt hatte, reisten wir in den ersten Tagen Juni’s nach Udskoi ab, die von uns gekauften Rennthiere, deren etwa 10 waren, nach uns führend.

Samstag, 9. November 2013

[29] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Ewenen-Frauen in Nationaltracht
Anfang 20. Jahrhundert

Nachdem er nach seiner Sitte aufgestanden und gegrüsst hatte, erzählte er auf unsere Frage, warum er weine, Folgendes:

>> Als ich gestern im Walde ging, fand ich an einer Stelle viele Spuren, von wilden Rennthieren. Mich ausserordentlich über diesen Fund freuend, kehrt ich augenblicklich zu meiner  Familie zurück.  Nachdem ich hier mein Gewehr und meine Sachen in die gehörige Ordnung gebracht und selbst ausgeruht hatte, kam ich vergangene Nacht gegen Mitternacht, als eben die Oberfläche des am Tage weich gewordenen Schnees gefroren war, meinen Hund führend und meine Schneeschuhe anhabend, zu den von mir gesehen Rennthierspuren.

Nachdem ich hier zwei Stunden auf den Anbruch des Tages gewartet  und den Taback geraucht hatte, liess ich, sobald bei der Morgendämmerung die Rennthierspuren sich zeigte, meinen Hund los. Ich selbst lief auf Schneeschuhen hinter meinem Hunde her.

Mittwoch, 6. November 2013

[28] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

DSC_8195 by Кочергин Владимир

 Utschur

An anderen Stellen war dieses ausgetretene Wasser zum zweiten Mal gefroren und hatte unseren Weg wie ein Spiegel so glatt gemacht. Auf diesem Glatteis konnte ein unbeschlagenes Pferd oder Rennthier keinen festen Fuss fassen.
Aus diesem Grunde hieben zwei Männer mit ihren Beilen oder Messern in das Eis und schlugen Kerben ein; hinter ihnen her gingen wir beständig zu Fuss. An anderen Orten, wo sich nahe stehende, bröckliche schwarze Abstürze befanden, nahmen wir in leeren Behälter trockene Erde oder Sand ein und streuten dieses auf dem Eis auf.

Es traf sich, dass irgendwo aus Versehen das Eis nicht eingekerbt oder keine Erde aufgestreut war; hier glitten unsere 16 bis 17 Pferde aus und stürzten sammt und sonders zu Boden.

Bei einem solchen Stürze glitt all unser Gepäck mit den Sattelgurten und Packsäcken hinunter, zeriss und zerbrach. Mit dem Zurechtmachen dieser Sachen verging ein grosser Theil unseres Reise bestimmten Tages.

Im Verlauf unseres Weges kamen wir bei wunderbaren Bergen vorbei: durch die Heftigkeit der winterlichen Kälte wurde aus der Spitze des Berges Wasser hervorgedrängt, das hinunter fliessend den hohen Berg von oben bis unten mit blitzendem Eis bedeckte.

Wenn die Sonne sich zum Untergange neigte, schlugen die Strahlen der wolkenlosen Frühlingssonne an den Felsen; dieser hohe Eisfelsen erschien wie ein buntfarbiger Regenbogen oder als wenn er bedeckt wäre mit feurigen Edelsteinen. Am Fusse eines solchen Felsens floss das Wasser im Flusse beständig, ohne zu gefrieren.

Es gibt einen Fluss mit Namen Ägna, der von der linken Seite in den Utschur fällt. Reisende nehmen den Richteweg und gehen diesem Flusse entlang.

Es war Aprilmonat; als wir dem Ägna entlang gingen, zeigte sich auf einmal aus der Ferne am Ufer des Flusses eine schwarze bewegliche Gestalt. Zuerst glaubten wir, dass es ein Thier wäre, als wir aber näher kamen, erblickten wir einen Tungusen, der da sass und weinte.

 Quelle Text: Otto Böhtling und Jakutien, Hartmann Kästner, Seite 27 -  Leipziger Universitätsverlag
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  O.N. Böhtlingk     A.Th.v.Middendorff
  Über die Sprache der Jakuten
  Sacha-Jakutien  

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Mittwoch, 30. Oktober 2013

[27] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Wie Jakuten im Winter reisen und auf Jagd gehen
Nachdem wir auf diese Reise gereist waren, hatten wir vom frühen Morgen bis zum Abend mit genauer Noth einen Kös zurückgelegt. Mit dieser Art zu reisen kamen wir über das, 10 Kös sich zu erstreckende Schneehindernis erst nach einer Reise von 10 Tagen hinüber.

An allen diesen Tagen bestiegen wir höchst selten unsere Pferde in Folge der heftigen Bewegungen, die das Pferd in dem, mit einer harten Rinde bedeckten Schnee macht, hält man sich mit Mühe im Sattel fest; dieses verursacht Einem unerträgliche Müdigkeit. Aus diesem Grunde legten wir meisentheils unsere Schneeschuhe an und gingen zu Fuss, um die Wahrheit zu sagen, uns im Schweisse badend.

Die beiden Ufer des Fluss Utschur sind senkrechte Felsen. Am Fusse dieser Felsen pflegt ein sich hier und da findender schmaler Saum mit einem hohen, bröckligen, schwarzen Absturz in Verbindung zu stehen. Auf diesen schwarzen Absturz kann ein bepacktes Pferd unmöglich hinaufkommen.

Samstag, 26. Oktober 2013

[26] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien


Lage des Utschur (Учур) im Einzugsgebiet des Aldan

Hier muss ich bemerken, dass unter den Beschwerden einer Winterreise es Einem ganz unerträglich ist, sich mitten in der schneidenden Kälte auszukleiden und zu Bette zu legen; dass es aber noch dreimal unerträglicher als dieses ist, am Morgen aufzustehen, dieses zu ertragen, ohne krank zu werden, muss man von einem eisengleichen, feste Körper sein.

Ich trinke keine stark berauschenden Getränke, kenn demnach die Hülfe, die sie dem Menschen erweisen, nicht. Ich bin der Meinung, dass der Mensch nicht am Leben bleiben würde, wenn es auf einer solchen Reise keinen Thee gäbe. Ich rechne die Jakuten und Tungusen nicht hierher: diese, die auf dem Schnee geboren  und entstanden sind, bringen auf ihren Reisen aus Gewohnheit drei Tage sogar, ohne inzwischen zu essen zu.

Nachdem wir drei bis vier Tage gereist waren, langten wir am Ufer des grossen Flusses Utschur von der rechten Seite in den Aldan ergiesst. Hier machten wir in einer Tungusenjurte Halt und hörten, dass vom Ausfluss des Utschur nach der Gegend hin, wohin wir zu reisen hatten, auf einer Ausdehnung von 10 Kös der Schnee sieben Spannen hoch gefallen, und dass es unmöglich wäre, diesen Schnee zu bewältigen und zu reisen. Diese Nachricht brachte uns in grosse Verlegenheit: wir hatten keine Vorschrift umzukehren, und um den Schnee zu umgehen, war nur eine Stelle da.

Sonntag, 20. Oktober 2013

[25] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Es war Februar, dessen ungeachtet hatte die Kälte noch nicht im Geringsten nachgelassen. Die Kälte überstieg, nach dem Dinge, womit die Russen die Kälte messen, die Zahl dreissig, als ich aus der Stadt Jakutsk mit dem zwei mir beigegebenen Kosaken aufbrach.

Bis Amga, das 20 Kös entfernt ist, gelangte ich auf von Pferden gezogenen Schlitten. In Amga luden wir unser zurechtgemachtes Gepäck auf sieben bereit stehende Pferde, bestiegen selbst drei Pferde und machten uns mit zwei Führern auf den Weg.

Die Pferde waren alle fett, vor Fett waren dieselben übermüthig und warfen in einem fort die Last ab. Aus diesem Grunde und um nicht dieselben vom ersten Tage an zu erhitzen, machten wir, nachdem wir nur drei Kös Weges zurückgelegt hatten, an einem Ort, wo wir zu übernachten gedachten, Halt.

Hier nahmen die Führer vor Allem den Pferden die Last vollständig ab: hierauf schaufelten sie, bis sie auf Erde stiessen, den Schnee fort und suchten trockenes Holz zusammen. Sobald sie Feuer angemacht hatten, stopften sie Schnee und en Theekessel und in einen grossen Kessel und brachten Wasser zum Kochen.


Freitag, 18. Oktober 2013

[24] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Uda - Amga - Ochotsk - Jakutsk

Zu meiner Zurüstung gehörten Winterkleidung, dreimal zu wechseln, Sommerkleider, viermal zu wechseln, Thee, Zucker, getrocknete russische Mehlspeise (Zwieback), Fleischküchelchen, Pulver, Blei, Gewehre, ein wenig Rum und Spiritus, Fleisch, jakutische und russische Butter.

Alles dieses wurde besonders in Ledersäcke, in die 2 ½ Pud hineingehen in Holzkasten oder in Kasten von Birkenrinde gepackt; nachdem es hierauf so bedeckt worden war, dass kein Wasser eindringen konnte, wurde es mit einem starken ledernen Riemen umgebunden, so das die Last die man einem Pferde auflegte, auf keine Weise schwerer als 6 Pud war.

Es war Februar, dessunegeachtet hatte die Kälte noch nicht im Geringsten nachgelassen. Die Kälte überstieg, nach dem, Dinge, womit die Russen die Kälte messen, die Zahl dreissig, als ich aus der Stadt Jakutsk mit den zwei mir beigegebenen Kosaken aufbrach.

Bis Amga, das 20 Kös entfernt ist, gelangte ich auf von Pferden gezogenen Schlitten. In Amga luden wir unser zurechtgemachtes Gepäck auf sieben bereit stehende Pferde, bestiegen selbst drei Pferde und macht uns mit zwei Führer auf den Weg.


  Uda    Ochotsk

Quelle Text: -Otto Böhtling und Jakutien, Hartmann Kästner, Seite 23 -  Leipziger Universitätsverlag

Donnerstag, 17. Oktober 2013

[23] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien


Tungusen Lager

Südöstlich von der Stadt Jakutsk, in einer weit grösseren Entfernung als 100 Kös, ist eine Gegend mit Namen Udskoi, die berühmt ist wegen ihrer mannigfaltigen Jagd. 

Der Umfang dieser Gegend beträgt ungefähr 500 Kös. Die Grenze dieser Gegend stösst von einer Seite an das Meer von Ochotsk, von der zweiten Seite an das Land der Chinesen, von der dritten, vierten und fünften an die Gebiete von Nertschinsk, Olekminsk und der Changgangy.

Diese Gegend galt, weil Jakutsk ein über alle Maassen weites Gebiet ist, für eine wüste Winkelgegend. Auf der Ausdehnung dieser Gegend wurden kaum 4 bis 500 nomadische Tungusen gezählt. Sie verdienten in Folge ihres Reichtums und ihrer eigenthümlichen Verhältnisse durchaus nicht, für eine nichtssagenden Gegend gehalten zu werden.

In dieser Gegend pflegten eine Menge Jakuten und Russen den jagenden Tungusen nachzugehen und die ganze von ihnen erjagten Beute zu einem billigen Preise einzusammeln, ihre eigenen Waren aber, über alle Maasseen theuer anschlagend, jenen zu überlassen.

Hieraus entstanden allerhand Bedrückungen und Betrügereien, die die Bewohner von Udskoi zu Grunde richteten. Diese und verschiedene andere verwickelte Angelegenheiten führten zu der Nothwendigkeit, einen Beamten nach Udskoi abzuschicken. Zu dieser Sendung wurde ich bestimmt.

Zwei Monate vor meiner Abreise wurden mir viele Schreibereien übergeben. Diese Arbeit und die Zubereitungen zur Reise waren den Anfang jener grenzenlosen Mühen, die ich für die Dauer von anderthalb Jahren auf dem Wege der mir vorgeschriebenen weiten Reise erwarteten.

Quelle Text: -Otto Böhtling und Jakutien, Hartmann Kästner, Seite 22 -  Leipziger Universitätsverlag

Dienstag, 15. Oktober 2013

[22] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Irkutsk 1736

Dann kamen aber auch die Jakuten in Jakutsk, indem sie von den Händen schwacher Beamter gehalten wurden, von Jahr zu Jahr immer mehr von ihren früheren Verhältnissen zurück. Dieses alles zusammengenommen ändert meine Gedanken an jenem Orte zu leben.

Während der Umstände, die ich erzähle, liebte mich der dort wohnende Gouverneur wie seinen eigenen Sohn. Ich verwaltete seine Kanzelei: weit entfernt demnach, mich in eine andere Stadt ziehen zu lassen, pflegte er mich nicht einmal auf eine Stunde von sich lassen. Er starb zu Jakutsk.

Sobald er gestorben war, ging ich nach Irkutsk, nachdem ich zuvor mein Haus und meine Habe verkauft und die von früherer Zeit angelaufenen Schulden abgetragen hatte.

Hier wurde ich in der Kanzelei des Gouverneurs angestellt und brachte anderthalb Jahre in Ruhe hin, indem ich 80 Rubel im Monat Gehalt erhielt und ausser dem leichten Schreiberdienst keine andere Sorgen hatte.


Montag, 14. Oktober 2013

[21] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Am frühen herbstlichen Tage, bei Anbruch der Morgendämmerung, kam der Geistliche; meine Mutter beichtete ihre Sünden, empfing das Abendmahl und nahm Abschied von allen Personen, die auf den Ruf sich versammelt hatten. Hierauf umarmte sie mich. Meine Schulter bemerkte die Kälte des Athems der Sterbenden; nach einem Augenblick sagten alle schauenden dastehenden Personen mit einer Stimme: >> Sie ist gestorben << Meine Mutter war plötzlich nicht mehr.

In der Art und Weise, wie sie lag, war auch nicht ein Ausdruck eines sterbenden Menschen: auf ihrem Gesichte hatte sich kein Zug verändert, ihr Tod unterschied sich nicht vom leisen Schlummer eines ermüdeten Menschen. Auf diese Weise hatte sie von gegen vierzig zusammengekommenen Mensch keinen Erwachsenen, kein Kind erschreckt.

Diese Leute betrachteten, ohne sich im Geringsten zu fürchten, ihre Physiognomie, die ein Lächeln der Freude angenommen hatte, gleich als wenn die Mutter sich freute über den Anblick eines in der Lichtregion der Welt des hohen Gottes bereiteten Sitzes, wenn die Seele eines sündelosen Menschen heraustritt aus dem, der Krankheit und dem Tode unterworfenen, Körper. Dies war die Art und Weise ihres Todes!

Gute Mutter! Du hast unter dieser Sonne keinen Tag ohne Noth gesehen, du hast kein glückliches Leben gelebt: dein Glück bestand einzig und allein in guten Werken. Für diese deine Werke wirst du glücklich sein in der Lichtregion jener hohen Welt, wohin der schaffende Gott den sündenlosen Menschen, der er auserwählt, zu endlosen Freuden hinsetzt.

Während deiner Lebenszeit habe ich deinen Willen nicht übertreten, auch erinnere ich mich nicht, dass ich dein gutes Herz erzürnt hatte. Du erscheinst beständig in meinen Träumen, und in diesen meinen Träumen zerstreust du meine Trauergedanken und richtest mich, wenn dein Kraft hinreicht, zu den Füssen des hellen Sitzes des hohen schaffenden Gottes!

Mit meiner Mutter begrub ich Alles, was mich auf dieser Erde erfreute. Da ich weder Bruder noch Schwester habe und ich unverheirathet bin, so ist von eben dem Tage bis zum heutigen Niemand da, der mich bedauerte an meinen dunklen Tage, der sich freute an meinen hellen Tagen: ich bin allen Menschen ein Fremdling, an jedem Ort, wohin ich komme, erscheine ich als Gast.

Danach war in Jakutsk nichts mehr übrig geblieben, was mich erfreut hätte; das ganze Land, alle Dinge, die mir früher schön erschienen, wurden mir später einzig und allein zum grössten Überdruss.


Quelle Text: -Otto Böhtling und Jakutien, Hartmann Kästner, Seite 16 -  Leipziger Universitätsverlag

Sonntag, 13. Oktober 2013

[20] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Die Seen dieser Gegen waren im Laufe des Sommers mit verschiedenen Arten von Enten angefüllt, die in der Nähe befindlichen Gehölze und Wälder mit Hasen, Birk-, Hasel- und Rebhühner. Im Frühjahr, beim Fortschwimmen des Eises, und im Herbst, wenn alle diese Vögel, nachdem sie ihre Jungen zum Fluge gebracht, in die warmen Länder heimgeflogen, ging man vor dem Geschrei der Gänse, Enten, Schwäne, Kraniche, Storche und kleiner Vögel mit verschiedenen Namen seines Schlafes verlustig.

Ich habe von meinem 11-ten oder 12-ten Jahre an so viele Vögel getödtet, wie sehr wenige Menschen werden getödtet haben. Da ich Lust am Schiessen hatte, erschien mir einen noch so entfernte Gegend nahe; drei ganze Tage ohne zu schlafen auf der Jagd zuzubringen hielt ich für keine Anstrengung; von Müdigkeit wusste ich nie etwas.

Im Herbst schlief ich, auf das Weichen der nächtlichen Finsternis wartend, auf feuchtem Boden, einen Baumstamm mit unter den Kopf legend, ohne Decke und ohne Bettzeug in Kleidern ohne Fell, während Schnee und Regen von Wind begleitet über mich fielen; oder ich fing Fische, indem ich die ganze Nacht auf dem Sande, wo die Netzte ausgeworfen werden, in kalten Wasser watete. Dass ich mich auf dies Weise von Kindheit auf an Anstrengungen gewöhnt, ist mir in der Folge von Nutzen gewesen.

So lebten wir; da aber in der Folge die Nothwendigkeit eintrat, in der Stadt zu wohnen, so liess meine Mutter das Haus, das wir in Killäm bewohnten, aus einander nehmen, es in die Stadt überführen und es hier auf einen guten Platz hinzustellen, den sie sich ausgewählt hatte. Bis diese Arbeit zu Stande kam, setzte ich meinen Unterricht fort.

In meinem 16-ten Jahre trat ich in den Schreiberdienst des Kaisers in der Oberbehörde von Jakutsk. Hier stand über uns ein Herr mit Namen N.N. Dieser Herr der von geringer Herkunft war und sich auf das Schreiben nach der damaligen Art und Weise nur so obenhin verstand, galt für unentbehrlich. Indem er sich in diesem Glücke befand, schlug er die Mühe eines Menschen zu keinem Kopeken ein.

[19] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

The ornaments of the Yakuts

The ornaments of the Yakuts

Auf diese Weise erlernte auch ich Ihre Geschicklichkeiten vollkommen: weder in Geschwindigkeit noch in Gewandtheit stand ich irgend einem Jakutischem Helden nach. Ich war bekannt für mein Schiessen sowohl aus dem jakutischem Bogen als aus der Flinte; man lobte die Art und Weise, wie ich ein wildes Pferd bestieg und über das weite Feld wie der Wind dahin flog; an gewissen Zeichen an Pferde erkannte ich, ohne mich zu irren, seine Kraft, seine Geschwindigkeit, seine Raschheit und seinen Muth; kaum hatte ich ein Rind angesehen, so kannte ich, ohne es zu befühlen, seine Vorzüglichkeiten oder seine Untauglichkeit.

Weil ich  auf all derartige geringfügige Umstände Acht gab, liebten mich nicht nur die Männer, sondern auch alle Jakutischen alten Mütterchen, junge Frauen und Kinder auf eine unglaubliche Weise.

Nachdem ich auf diese Weise die Jakuten mich zu lieben veranlasst und zu ihrem Vertrauen gelangt war, war es mir unmöglich ihrer Denkungsart entgegen zu handeln, wenn ich auch zu dieser Handlungsweise geschickt und geneigt gewesen wäre.

Quelle Text: -Otto Böhtling und Jakutien, Hartmann Kästner, Seite 16 -  Leipziger Universitätsverlag