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Samstag, 9. November 2013

[29] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Ewenen-Frauen in Nationaltracht
Anfang 20. Jahrhundert

Nachdem er nach seiner Sitte aufgestanden und gegrüsst hatte, erzählte er auf unsere Frage, warum er weine, Folgendes:

>> Als ich gestern im Walde ging, fand ich an einer Stelle viele Spuren, von wilden Rennthieren. Mich ausserordentlich über diesen Fund freuend, kehrt ich augenblicklich zu meiner  Familie zurück.  Nachdem ich hier mein Gewehr und meine Sachen in die gehörige Ordnung gebracht und selbst ausgeruht hatte, kam ich vergangene Nacht gegen Mitternacht, als eben die Oberfläche des am Tage weich gewordenen Schnees gefroren war, meinen Hund führend und meine Schneeschuhe anhabend, zu den von mir gesehen Rennthierspuren.

Nachdem ich hier zwei Stunden auf den Anbruch des Tages gewartet  und den Taback geraucht hatte, liess ich, sobald bei der Morgendämmerung die Rennthierspuren sich zeigte, meinen Hund los. Ich selbst lief auf Schneeschuhen hinter meinem Hunde her.

Mittwoch, 6. November 2013

[28] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

DSC_8195 by Кочергин Владимир

 Utschur

An anderen Stellen war dieses ausgetretene Wasser zum zweiten Mal gefroren und hatte unseren Weg wie ein Spiegel so glatt gemacht. Auf diesem Glatteis konnte ein unbeschlagenes Pferd oder Rennthier keinen festen Fuss fassen.
Aus diesem Grunde hieben zwei Männer mit ihren Beilen oder Messern in das Eis und schlugen Kerben ein; hinter ihnen her gingen wir beständig zu Fuss. An anderen Orten, wo sich nahe stehende, bröckliche schwarze Abstürze befanden, nahmen wir in leeren Behälter trockene Erde oder Sand ein und streuten dieses auf dem Eis auf.

Es traf sich, dass irgendwo aus Versehen das Eis nicht eingekerbt oder keine Erde aufgestreut war; hier glitten unsere 16 bis 17 Pferde aus und stürzten sammt und sonders zu Boden.

Bei einem solchen Stürze glitt all unser Gepäck mit den Sattelgurten und Packsäcken hinunter, zeriss und zerbrach. Mit dem Zurechtmachen dieser Sachen verging ein grosser Theil unseres Reise bestimmten Tages.

Im Verlauf unseres Weges kamen wir bei wunderbaren Bergen vorbei: durch die Heftigkeit der winterlichen Kälte wurde aus der Spitze des Berges Wasser hervorgedrängt, das hinunter fliessend den hohen Berg von oben bis unten mit blitzendem Eis bedeckte.

Wenn die Sonne sich zum Untergange neigte, schlugen die Strahlen der wolkenlosen Frühlingssonne an den Felsen; dieser hohe Eisfelsen erschien wie ein buntfarbiger Regenbogen oder als wenn er bedeckt wäre mit feurigen Edelsteinen. Am Fusse eines solchen Felsens floss das Wasser im Flusse beständig, ohne zu gefrieren.

Es gibt einen Fluss mit Namen Ägna, der von der linken Seite in den Utschur fällt. Reisende nehmen den Richteweg und gehen diesem Flusse entlang.

Es war Aprilmonat; als wir dem Ägna entlang gingen, zeigte sich auf einmal aus der Ferne am Ufer des Flusses eine schwarze bewegliche Gestalt. Zuerst glaubten wir, dass es ein Thier wäre, als wir aber näher kamen, erblickten wir einen Tungusen, der da sass und weinte.

 Quelle Text: Otto Böhtling und Jakutien, Hartmann Kästner, Seite 27 -  Leipziger Universitätsverlag
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  O.N. Böhtlingk     A.Th.v.Middendorff
  Über die Sprache der Jakuten
  Sacha-Jakutien  

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Samstag, 26. Oktober 2013

[26] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien


Lage des Utschur (Учур) im Einzugsgebiet des Aldan

Hier muss ich bemerken, dass unter den Beschwerden einer Winterreise es Einem ganz unerträglich ist, sich mitten in der schneidenden Kälte auszukleiden und zu Bette zu legen; dass es aber noch dreimal unerträglicher als dieses ist, am Morgen aufzustehen, dieses zu ertragen, ohne krank zu werden, muss man von einem eisengleichen, feste Körper sein.

Ich trinke keine stark berauschenden Getränke, kenn demnach die Hülfe, die sie dem Menschen erweisen, nicht. Ich bin der Meinung, dass der Mensch nicht am Leben bleiben würde, wenn es auf einer solchen Reise keinen Thee gäbe. Ich rechne die Jakuten und Tungusen nicht hierher: diese, die auf dem Schnee geboren  und entstanden sind, bringen auf ihren Reisen aus Gewohnheit drei Tage sogar, ohne inzwischen zu essen zu.

Nachdem wir drei bis vier Tage gereist waren, langten wir am Ufer des grossen Flusses Utschur von der rechten Seite in den Aldan ergiesst. Hier machten wir in einer Tungusenjurte Halt und hörten, dass vom Ausfluss des Utschur nach der Gegend hin, wohin wir zu reisen hatten, auf einer Ausdehnung von 10 Kös der Schnee sieben Spannen hoch gefallen, und dass es unmöglich wäre, diesen Schnee zu bewältigen und zu reisen. Diese Nachricht brachte uns in grosse Verlegenheit: wir hatten keine Vorschrift umzukehren, und um den Schnee zu umgehen, war nur eine Stelle da.

Sonntag, 20. Oktober 2013

[25] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Es war Februar, dessen ungeachtet hatte die Kälte noch nicht im Geringsten nachgelassen. Die Kälte überstieg, nach dem Dinge, womit die Russen die Kälte messen, die Zahl dreissig, als ich aus der Stadt Jakutsk mit dem zwei mir beigegebenen Kosaken aufbrach.

Bis Amga, das 20 Kös entfernt ist, gelangte ich auf von Pferden gezogenen Schlitten. In Amga luden wir unser zurechtgemachtes Gepäck auf sieben bereit stehende Pferde, bestiegen selbst drei Pferde und machten uns mit zwei Führern auf den Weg.

Die Pferde waren alle fett, vor Fett waren dieselben übermüthig und warfen in einem fort die Last ab. Aus diesem Grunde und um nicht dieselben vom ersten Tage an zu erhitzen, machten wir, nachdem wir nur drei Kös Weges zurückgelegt hatten, an einem Ort, wo wir zu übernachten gedachten, Halt.

Hier nahmen die Führer vor Allem den Pferden die Last vollständig ab: hierauf schaufelten sie, bis sie auf Erde stiessen, den Schnee fort und suchten trockenes Holz zusammen. Sobald sie Feuer angemacht hatten, stopften sie Schnee und en Theekessel und in einen grossen Kessel und brachten Wasser zum Kochen.


Freitag, 18. Oktober 2013

[24] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Uda - Amga - Ochotsk - Jakutsk

Zu meiner Zurüstung gehörten Winterkleidung, dreimal zu wechseln, Sommerkleider, viermal zu wechseln, Thee, Zucker, getrocknete russische Mehlspeise (Zwieback), Fleischküchelchen, Pulver, Blei, Gewehre, ein wenig Rum und Spiritus, Fleisch, jakutische und russische Butter.

Alles dieses wurde besonders in Ledersäcke, in die 2 ½ Pud hineingehen in Holzkasten oder in Kasten von Birkenrinde gepackt; nachdem es hierauf so bedeckt worden war, dass kein Wasser eindringen konnte, wurde es mit einem starken ledernen Riemen umgebunden, so das die Last die man einem Pferde auflegte, auf keine Weise schwerer als 6 Pud war.

Es war Februar, dessunegeachtet hatte die Kälte noch nicht im Geringsten nachgelassen. Die Kälte überstieg, nach dem, Dinge, womit die Russen die Kälte messen, die Zahl dreissig, als ich aus der Stadt Jakutsk mit den zwei mir beigegebenen Kosaken aufbrach.

Bis Amga, das 20 Kös entfernt ist, gelangte ich auf von Pferden gezogenen Schlitten. In Amga luden wir unser zurechtgemachtes Gepäck auf sieben bereit stehende Pferde, bestiegen selbst drei Pferde und macht uns mit zwei Führer auf den Weg.


  Uda    Ochotsk

Quelle Text: -Otto Böhtling und Jakutien, Hartmann Kästner, Seite 23 -  Leipziger Universitätsverlag