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Freitag, 5. Januar 2018

[42] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij | Otto Böhtlingk und Jakutien

Jakuten |  Sibirien |  Tungusen |  Samojeden |  Pelz |  Lithographie |  1898 | source

Nachdem die Führer die Rennthiere eingefangen und sie "sammt und sonders herbeigeführt hatten, legten sie ihnen die Packsättel auf; hierauf beluden wir die Rennthiere und brachen bei Sonnenaufgang auf, nachdem wir zuvor die Jurte weggeräumt, die zusammengenähten Häute aufgerollt, die am Abend aufgebundenem Geschirre und Taschen zusammengebunden und umbunden, und alle Sachen weggeräumt hatten.

Auf diese Weise reisten wir im Verlaufe des ganzen Winters, sieben Monate hindurch, ohne eine Nacht in einem warmen Hause zuzubringen: Nur an drei Versammlungsorten, an denen wir zu zwei Tagen Halt machten, sahen wir jedes Mal etwa 10 Jurten Tungusen.

Die ganze Ausdehnung, dieser sich auf 200 Kös erstreckenden Landschaft besteht aus dichtem Gehölz Steingebirgen und Flüssen; niemals findet sich ein Weg.

Tungusischen Führer kennen jeden Fluss, jeden Bach bei Namen und gelangen an den Ort, wohin sie gehen, ohne Schwierigkeit und ohne sich zu verirren. An manchen Orten fällt der Schnee einen gestreckten Faden hoch : diesen Schnee brechen sie, indem sie auf Schneeschuhen die unbeladenen Rennthiere führen. Durch das dichte, undurchdringliche, drei bis vier Werst lange niedrige Gebüsch kommt man zu Fuss; indem man es mit seinen Messern niederhaut. An solchen beschwerlichen Orten legt man an einem Tage nicht mehr als einen Kös zurück.

Donnerstag, 13. Oktober 2016

[41] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij | Otto Böhtlingk und Jakutien

Tunguse encampment | Victor Adam | source 

Diese kegelfömige Jurte bewarf man rund herum mit Schnee, nur auf einer Seite, bleibe eine kleine Öffnung, damit man, wenn man sich bückte, mit genauer Noth hinein – und hinausgehen konnte. Hierauf hiebe man eine Menge feiner Zweige ab ab und breitete dieselben im Innern der Jurte rund herum hoch auf einander aus, über diese breitete man ein Lager aus fest zusammengerollten und gebundenen Thierhäuten aus, machte mit dem feingespalteten Holze in der Mitte der Jurte Feuer an und schmolz Schnee, den man in Kessel und in den Theekessel gepfropft hatte.

Bis wir diesen Schnee schmolzen, Thee und Abenbrot kochten, tranken und assen, und bis wir uns auskleideten und einschliefen, wurde es Mitternacht. Bis dahin war vom angemachten Feuer und vom Brennen des lockeren Grundes ein so fressender dichter Rauch, dass er Einem die Augen schnitt und diesen das Sehen unmöglich machte, und dass das Innere unserer Jurte nicht sichtbar war.

Mittwoch, 10. Juni 2015

[40] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Zelt der Ewenken | source

Am vierten Tag brachten unserer Führer mit genauer Noth 6 aufgefundene Rennthiere, die übrigen waren bis auf die Spur verloren gegangen. Nachdem wir, sogleich nach der Ankunft unserer Führer mit den Rennthieren, unser, in drei Finger dickes Eis und Schnee verwandeltes dünnes Zelt mit grosser Mühe zum Auftauen gebracht hatten, machten wir uns den selben Tag auf den Weg.

Der September-Monat ist, wie ich oben bemerkt habe, zum Reisen ausserordentlich ungünstig: die von Gras durchwachsenen Flüsse, die Ausflüsse der Seen und die Oberfläche des schmutzigen Wassers gefrieren ein oder zwei Finger dick und werden mit Schnee bedeckt; sobald das Rennthier auftritt, bricht das Eis, nicht im Stande die Last zu tragen entzwei; das Rennthier fällt bisweilen so durch, dass es ganz verschwindet, und wer darauf reitet, fällt mit ins Wasser, wenn er auch noch so vorsichtig zu Werke geht.

Freitag, 20. Februar 2015

[39] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Russischer Photograph: Das Rentier, eine Methode in Sibirien zu reisen | source

Zu unser Aller Glück kam er, da er zu schwimmen verstand, vom Grunde des Wasser wieder nach oben. Unterdessen hatte ihn der Schlag der Strömung auf eine flache Stelle geführt und ihn auf die Füsse gestellt; nachdem er hier, bis zum Hals im Wasser stehend, ausgeruht hatte, machte er sich auf den Weg nach Udskoi. Ich bliebe mit meinem Kosaken auf der anderen Seite des Flusses und zündete, wegen der Menge von Bären, an mehreren Stellen Feuer an.

Bei Sonnenuntergang sahen wir zu unsrer Freude zwei Menschen mit Kähnen herankommen. Als wir von ihnen über den Fluss gesetzt worden waren, gelangten wir um Mitternacht, ohne einen trockenen Faden an unsern Kleidern zu haben, nach Udskoi, nachdem wir zwei ganze Tage nichts in den Mund gesteckt hatten. Auf diese Weise gingen wir auf unserem Gang während sieben Tagen beständig in nassen Kleidern. Dessen ungeachtet wurde niemand  von uns krank. Unsre zweite Reise von Udskoi war schlimmer als diese.

Montag, 13. Oktober 2014

[38] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Kosake | Pelzjäger
In der Folge war unser ganzer Reisevorrath zu Ende gegangen und unsere  Kräfte geschwunden. Bis zur Grenzfeste blieben zu Wasser drei, durch den Wald 1 ½ Kös nach.

Auf das Wort unserer Führer, dass die drei bis vier Bäche, die sich von der Seite ergössen, kein grosses Hindernis beim gang durch den Wald verursachen würden, stand ich am Morgen bei Sonnenaufgang auf, nahm eine Flinte und ein Beil mit und machte mich mit dem Kosaken und einem Führer zu Fuss auf den Weg durch den Wald, um auf irgend eine Weise am Abend anzukommen und den im Boot zurückgebliebenen Leuten zu Wasser Speise zuzuschicken.

Wir erreichten diesen unseren Vorsatz nicht: als wir uns vom unserm Boot entfernt hatten und eben ½ Kös gegangen waren, stiessen wir auf den ersten und in den Weg kommenden Bach der sich von der Seite ergoss und dessen Wasser bis zum Wald ausgetreten war. Indem wir ihn an der Quelle umgingen und ihn hier, bis an den Gürtel im Wasser watend, überschritten, verloren wir die Hälfte unseres Tages.

Samstag, 12. Juli 2014

[37] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Jakutische Frauen  source

Grosse Seehunde töteten sie durch Flintenschüsse in den Kopf, die kleinen dagegen, die beim Eintreten der Ebbe auf dem Trocknen sitzen bleiben, erlegen sie durch Schläge mit Knütteln. Aus der Haut dieser Thiere schneiden sie verschiedene Riemen; was davon übrig bleibt, hängen sie in Rauch und machen Sohlen daraus.

Mit der Stärke einer solchen Haut wird sich die Haut von wenigen Thieren messen. Enten und Gänse sind in grosser Anzahl vorhanden, vor Allem aber bemerkt man eine Unzahl von verschiedenen Meerschnepfen.

Wenn die Fluth eintritt, kommen diese Schnepfen von der Seeseite geflogen, finden auf den kleinen Inseln keinen Platz und setzen sich eine auf die andere. Ich habe ihrer, wenn sie aufflogen, zu 55 Stück auf einen Schuss getötet.

Freitag, 7. Februar 2014

[35] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Rentier
Das von uns geschossene Thier, das im Sterben auf die Seite gefallen und von dem vorspringenden Stein, auf dem es stand, hinuntergeglitten war, rollte in einen Abgrund hinab, dessen Boden kaum sichtbar war, so dass durch das Getöse vom beständigen Anschlagen der Hörner and die Steine fiel, war, bis es den Boden erreichte, kein Stück vom Körper übrig geblieben.

Auch wird es unser Glück gewesen sein, dass dieses Schaf auf jede Weise vom Steine, auf dem es stand, abglitt und hinunterfiel: wenn es auf seinem Platze stehend verendet wäre, wären wir vielleicht selbst beim Heraufziehen dasselben an seine Stelle in den Abgrund gefallen.

Sonntag, 12. Januar 2014

[34] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Hunters of Siberia || H. G. Cutter and L. W. Yaggy, Panorama of Nations(Chicago: J. V. F. Company, 1892) 358 || source

Steigen ist beschwerlich, hinuntergehen leicht. Nach diesem Gesetz kamen wir vom Dschugdschur, im Vergleich zu unserem Hinaufsteige, um dreimal schneller hinunter.

Vom Steigen und Hinabgehen dieses Gebirges, das gegen 16 Stunden gedauert hatte, und vom Kampf mit Schwärmen von Mücken, Wespen und Bremsen während dieser Zeit, waren wir mit unseren Pferden und Renntieren so ermüdet, dass wir uns nicht rühren konnten.

Aus diesem Grunde machten wir Halt, sobald wir den Berg hinunter gekommen waren und ein Nachtlager zum Ausruhen gefunden hatten. Als wir hier, unmittelbar nach Abnahme des Gepäcks von den Pferden, zur Abwehr des Ungeziefers Mist angezündet hatten und Thee gekocht hatten, und gerade im Begriff waren, die zweite Tasse zu trinken, kam mein Hund, den ich freigelassen hatte, aus dem Innern des Waldes gelaufen und gab durch Winseln und Bellen zu verstehen, dass ein Thier in der Nähe sei.



Samstag, 11. Januar 2014

[33] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Jakutien - Yakutia by ░S░i░l░a░n░d░i░
Jakutien - Yakutia, a photo by ░S░i░l░a░n░d░i░ on Flickr. ||  Lena river

Von diesem Punkte erscheinen alle Berge, die das menschliche Auge übersieht, und die zuerst sehr hoch erscheinen, als ganz unbedeutende niedrige Hügel. Die von beiden Seiten dieses Dschugdschur entspringende und herababfliessende zahllose breiten Flüsse erscheinen wie dünne blitzende Silberfäden.

Wenn die Wolken an einem regnerischen Tage sich neigend, dem Nebel gleich dahinfliegen, streifen sie an diesen hohen Dschugdschur und reissen aus einander. Diese aus einander gerissenen Wolken liegen auf der Spitze des Berges und schwanken wie ein dicker, mit Mehl gemischter Brei aus Fichtenrinde, der sich ergossen hat.

Das Auge eines, auf der äussersten scharfen Kante dieses sich and den Wolken reibenden Gebirges stehenden Menschen bemerkt, wie ein Thau- oder Regengtropfen auf die Schneide eines mit seiner scharfen Kante nach oben stehenden Steines fällt, sich nach beiden Seiten hin theilt, hinabfällt und kaum bemerkbar sich hinunterzieht.

Mittwoch, 27. November 2013

[32] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien


Nachdem wir eine Stecke von mehr als 10 Kös vom Urschur zurückgelegt hatten, kamen wir zu einem Gebirge, mit Namen Dschugdschur (auch: der grosse Anberg), das wir schon lange erwartet hatten. Dieses Gebirge wird der Gürtel oder das Rückgrath des Landes genant. Das ganze Land Sibirien umgürtend, einem Rückgrath gleich, sich nirgends senkend oder eine Unterbrechung erleidend, erreicht es länges einer Oberfläche von mehreren 1000 Kös kaum unterhalb der Wolken des Eismeere, wo es, sich senkend , aufhört. Gerade als eben Mittag vorüber war, langen wir am Fusse dieses Gebirges an, machten Halt und nächtigten hier, damit unsere Pferde ausruhten.

Samstag, 23. November 2013

[31] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Einmal hielt ich bis zur Hälfte meines Körpers im Koth stehend, unter denen auf dieser Weise gestürzten Pferde die Köpfe von drei gefallenen Pferde in die Höhe, damit sie nicht im Wasser ersticken. Während ich so stand, fiel ein neben mir versinkendes viertes Pferd so hin, dass es nicht mehr aufstehen konnte, und kaum dass es seinen Kopf zwei- bis dreimal in’s Wasser gesteckt hatte, so war es Todt, ehe man sich’s versah.

Dieser Beschwerden vermehrten sich noch durch die Schwärme von Mücken, die einen nicht atmen liessen. Inmitten dieser Mücken kam man um Essen und Trinken: kaum hattest du irgend Etwas in ein Gefäss gegossen, so füllten sie, indem sie hineinfielen, dasselbe in einem Augenblick, während du es zu deinem Mund führtest.

Donnerstag, 21. November 2013

[30] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Als wir auf zwei kleine Kös den Berg erreicht hatten, trafen wir viele Reisende versammelt  an. Diese Leute erzählten, dass der Schnee auf diesem beschwerlichen Berge 13 Spannen hoch läge und dass, es demnach auf keiner Weise möglich wäre, auf diesen Berg zu gelangen. Sobald ich hier angekommen war, brachten unsere Leute von allen den mit Pferdekoppeln versehenen Leuten gegen 10 Pferde und 10 Rennthiere zusammen, führten, mit Schneeschuhen versehen, diese unbeladen und brachen den Schnee des beschwerlichen Berges.

Am anderen Morgen stiegen wir alle mit der grössten Anstrengungen über jenen Berg. Am ersten Mai gelangten wir zum Udskoi’schen Jahrmarkt.

Nachdem ich an diesem Versammmlungsorte den Jasak eingesammelt und andere kaiserliche Aufträge beendigt, sowie die Kräfte der Pferde, die bis zur Erschöpfung heruntergekommen waren, hergestellt hatte, reisten wir in den ersten Tagen Juni’s nach Udskoi ab, die von uns gekauften Rennthiere, deren etwa 10 waren, nach uns führend.

Montag, 4. November 2013

Sonntagsgeschichte von Tatjana Kuschtewskaja



Jakutien
Aus dem Ukrainischen

..... Die Zivilisation hatte ihnen Motorboote und Motorsägen gebracht, Syphilis und Wodka, die Ideologien des Betrügens und der Heuchelei. Ihre Glaubensgrundlage aber war die alte geblieben: die Verehrung der heiligen Steine, der Glaube an Geister, die Beschwörungsrituale, die Tradition des Geschichtenerzählens und ihre Auffassung von Ethik .....

..... Ich lauschte, Jakutien ging gleichsam in mich ein und schmiegte sich an mein Herz. Damals hat sich in mir etwas für mein ganzes Leben entschieden. Obwohl ich seine Sprache nicht verstand, begann ich die Worte, die wie Kinderklappern rasselten, und in denen Erlittenes mitklang, zu erkennen ..... 

..... Ich habe den Kampf des Schamanen mit den Geistern miterlebt, die verlangten, die Wöchnerin selbst sollte das Opfer sein. Und als es ihm gelang, ihnen dieses Opfer zu entreißen, verlangten sie von ihm, er solle ihnen einen anderen Menschen als Opfer anbieten. Ich habe gesehen, wie es ihm schließlich gelang, den Geistern ihre Macht zu nehmen ..... 

weiterLesen:  PDF || Sacha-Jakutien WebSite

  Literatur von und über Tatjana Kutschewskaja

Mittwoch, 30. Oktober 2013

[27] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Wie Jakuten im Winter reisen und auf Jagd gehen
Nachdem wir auf diese Reise gereist waren, hatten wir vom frühen Morgen bis zum Abend mit genauer Noth einen Kös zurückgelegt. Mit dieser Art zu reisen kamen wir über das, 10 Kös sich zu erstreckende Schneehindernis erst nach einer Reise von 10 Tagen hinüber.

An allen diesen Tagen bestiegen wir höchst selten unsere Pferde in Folge der heftigen Bewegungen, die das Pferd in dem, mit einer harten Rinde bedeckten Schnee macht, hält man sich mit Mühe im Sattel fest; dieses verursacht Einem unerträgliche Müdigkeit. Aus diesem Grunde legten wir meisentheils unsere Schneeschuhe an und gingen zu Fuss, um die Wahrheit zu sagen, uns im Schweisse badend.

Die beiden Ufer des Fluss Utschur sind senkrechte Felsen. Am Fusse dieser Felsen pflegt ein sich hier und da findender schmaler Saum mit einem hohen, bröckligen, schwarzen Absturz in Verbindung zu stehen. Auf diesen schwarzen Absturz kann ein bepacktes Pferd unmöglich hinaufkommen.

Samstag, 26. Oktober 2013

[26] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien


Lage des Utschur (Учур) im Einzugsgebiet des Aldan

Hier muss ich bemerken, dass unter den Beschwerden einer Winterreise es Einem ganz unerträglich ist, sich mitten in der schneidenden Kälte auszukleiden und zu Bette zu legen; dass es aber noch dreimal unerträglicher als dieses ist, am Morgen aufzustehen, dieses zu ertragen, ohne krank zu werden, muss man von einem eisengleichen, feste Körper sein.

Ich trinke keine stark berauschenden Getränke, kenn demnach die Hülfe, die sie dem Menschen erweisen, nicht. Ich bin der Meinung, dass der Mensch nicht am Leben bleiben würde, wenn es auf einer solchen Reise keinen Thee gäbe. Ich rechne die Jakuten und Tungusen nicht hierher: diese, die auf dem Schnee geboren  und entstanden sind, bringen auf ihren Reisen aus Gewohnheit drei Tage sogar, ohne inzwischen zu essen zu.

Nachdem wir drei bis vier Tage gereist waren, langten wir am Ufer des grossen Flusses Utschur von der rechten Seite in den Aldan ergiesst. Hier machten wir in einer Tungusenjurte Halt und hörten, dass vom Ausfluss des Utschur nach der Gegend hin, wohin wir zu reisen hatten, auf einer Ausdehnung von 10 Kös der Schnee sieben Spannen hoch gefallen, und dass es unmöglich wäre, diesen Schnee zu bewältigen und zu reisen. Diese Nachricht brachte uns in grosse Verlegenheit: wir hatten keine Vorschrift umzukehren, und um den Schnee zu umgehen, war nur eine Stelle da.

Sonntag, 20. Oktober 2013

[25] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Es war Februar, dessen ungeachtet hatte die Kälte noch nicht im Geringsten nachgelassen. Die Kälte überstieg, nach dem Dinge, womit die Russen die Kälte messen, die Zahl dreissig, als ich aus der Stadt Jakutsk mit dem zwei mir beigegebenen Kosaken aufbrach.

Bis Amga, das 20 Kös entfernt ist, gelangte ich auf von Pferden gezogenen Schlitten. In Amga luden wir unser zurechtgemachtes Gepäck auf sieben bereit stehende Pferde, bestiegen selbst drei Pferde und machten uns mit zwei Führern auf den Weg.

Die Pferde waren alle fett, vor Fett waren dieselben übermüthig und warfen in einem fort die Last ab. Aus diesem Grunde und um nicht dieselben vom ersten Tage an zu erhitzen, machten wir, nachdem wir nur drei Kös Weges zurückgelegt hatten, an einem Ort, wo wir zu übernachten gedachten, Halt.

Hier nahmen die Führer vor Allem den Pferden die Last vollständig ab: hierauf schaufelten sie, bis sie auf Erde stiessen, den Schnee fort und suchten trockenes Holz zusammen. Sobald sie Feuer angemacht hatten, stopften sie Schnee und en Theekessel und in einen grossen Kessel und brachten Wasser zum Kochen.


Freitag, 18. Oktober 2013

[24] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Uda - Amga - Ochotsk - Jakutsk

Zu meiner Zurüstung gehörten Winterkleidung, dreimal zu wechseln, Sommerkleider, viermal zu wechseln, Thee, Zucker, getrocknete russische Mehlspeise (Zwieback), Fleischküchelchen, Pulver, Blei, Gewehre, ein wenig Rum und Spiritus, Fleisch, jakutische und russische Butter.

Alles dieses wurde besonders in Ledersäcke, in die 2 ½ Pud hineingehen in Holzkasten oder in Kasten von Birkenrinde gepackt; nachdem es hierauf so bedeckt worden war, dass kein Wasser eindringen konnte, wurde es mit einem starken ledernen Riemen umgebunden, so das die Last die man einem Pferde auflegte, auf keine Weise schwerer als 6 Pud war.

Es war Februar, dessunegeachtet hatte die Kälte noch nicht im Geringsten nachgelassen. Die Kälte überstieg, nach dem, Dinge, womit die Russen die Kälte messen, die Zahl dreissig, als ich aus der Stadt Jakutsk mit den zwei mir beigegebenen Kosaken aufbrach.

Bis Amga, das 20 Kös entfernt ist, gelangte ich auf von Pferden gezogenen Schlitten. In Amga luden wir unser zurechtgemachtes Gepäck auf sieben bereit stehende Pferde, bestiegen selbst drei Pferde und macht uns mit zwei Führer auf den Weg.


  Uda    Ochotsk

Quelle Text: -Otto Böhtling und Jakutien, Hartmann Kästner, Seite 23 -  Leipziger Universitätsverlag

Donnerstag, 17. Oktober 2013

[23] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien


Tungusen Lager

Südöstlich von der Stadt Jakutsk, in einer weit grösseren Entfernung als 100 Kös, ist eine Gegend mit Namen Udskoi, die berühmt ist wegen ihrer mannigfaltigen Jagd. 

Der Umfang dieser Gegend beträgt ungefähr 500 Kös. Die Grenze dieser Gegend stösst von einer Seite an das Meer von Ochotsk, von der zweiten Seite an das Land der Chinesen, von der dritten, vierten und fünften an die Gebiete von Nertschinsk, Olekminsk und der Changgangy.

Diese Gegend galt, weil Jakutsk ein über alle Maassen weites Gebiet ist, für eine wüste Winkelgegend. Auf der Ausdehnung dieser Gegend wurden kaum 4 bis 500 nomadische Tungusen gezählt. Sie verdienten in Folge ihres Reichtums und ihrer eigenthümlichen Verhältnisse durchaus nicht, für eine nichtssagenden Gegend gehalten zu werden.

In dieser Gegend pflegten eine Menge Jakuten und Russen den jagenden Tungusen nachzugehen und die ganze von ihnen erjagten Beute zu einem billigen Preise einzusammeln, ihre eigenen Waren aber, über alle Maasseen theuer anschlagend, jenen zu überlassen.

Hieraus entstanden allerhand Bedrückungen und Betrügereien, die die Bewohner von Udskoi zu Grunde richteten. Diese und verschiedene andere verwickelte Angelegenheiten führten zu der Nothwendigkeit, einen Beamten nach Udskoi abzuschicken. Zu dieser Sendung wurde ich bestimmt.

Zwei Monate vor meiner Abreise wurden mir viele Schreibereien übergeben. Diese Arbeit und die Zubereitungen zur Reise waren den Anfang jener grenzenlosen Mühen, die ich für die Dauer von anderthalb Jahren auf dem Wege der mir vorgeschriebenen weiten Reise erwarteten.

Quelle Text: -Otto Böhtling und Jakutien, Hartmann Kästner, Seite 22 -  Leipziger Universitätsverlag

Dienstag, 15. Oktober 2013

The Ornaments of the Yakuts

[22] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Irkutsk 1736

Dann kamen aber auch die Jakuten in Jakutsk, indem sie von den Händen schwacher Beamter gehalten wurden, von Jahr zu Jahr immer mehr von ihren früheren Verhältnissen zurück. Dieses alles zusammengenommen ändert meine Gedanken an jenem Orte zu leben.

Während der Umstände, die ich erzähle, liebte mich der dort wohnende Gouverneur wie seinen eigenen Sohn. Ich verwaltete seine Kanzelei: weit entfernt demnach, mich in eine andere Stadt ziehen zu lassen, pflegte er mich nicht einmal auf eine Stunde von sich lassen. Er starb zu Jakutsk.

Sobald er gestorben war, ging ich nach Irkutsk, nachdem ich zuvor mein Haus und meine Habe verkauft und die von früherer Zeit angelaufenen Schulden abgetragen hatte.

Hier wurde ich in der Kanzelei des Gouverneurs angestellt und brachte anderthalb Jahre in Ruhe hin, indem ich 80 Rubel im Monat Gehalt erhielt und ausser dem leichten Schreiberdienst keine andere Sorgen hatte.