Freitag, 4. Oktober 2013

[16] Erinnerungen - A.J. Uwarowskij || Otto Böhtlingk und Jakutien

Hiernach ermesset selbst, wie gross meine Verwunderung war, als ich die, Killäm genannte Gegend betreten hatte. Vor meinen Augen eröffnete sich eine mehr als ein Kös breite und mehrere Kös lange Wiese, über der die Luft mit grünlichem Schein zitterte, und die so eben wie eine Wasserfläche war.

Die allermannigfallligsten Blume ohne Zahl hatte das Ansehen, als wenn man ein grünes oder gelbes Gewebe ausgebreitet hätte.

Hier und da standen dichte Lärchen – oder Birkenwäldchen, als wenn man sie mit Künstlerhand hingesetzt hatte. Mitten durch die Wiese strich, dem reinen Sande eines mit schwarzen jähen Ufern besetzten breiten Flusses entlang, ein reines stark fliessendes Wasser hin. Die gegenüber liegende Seite dieses Flusses war mit dichtem nahrhaften Mähgras bewachsen.

Auf diesen Plätzen blitzten die grasmähenden Sensen von Hunderten von Menschen von den Strahlen der Sonne wie Silber.

Auf der weiten Fläche der Wiesen weideten zahllose Pferde und Rinder, sich vor nichts fürchtend und nach Lust umherwandelnd.

Die auf dieser Wieder immer zu zehn oder fünf stehenden, mit Lehm übertünchten Jakutenhäuser oder glänzend weissen, grossen, kegelförmigen Sommerjurten nahmen sich wie gemalt aus. Die Fenster der Jurten, aus Marienglas oder aus Glas, blitzten durch die Sonnenstrahlen aus der Ferne wie Edelsteine. Am Ende, auf einer bedeutenden Erhöhung dieses Feldes, erhob sich unser Haus wie ein hoher Hügel.


Quelle Text: -Otto Böhtling und Jakutien, Hartmann Kästner, Seite 11 -  Leipziger Universitätsverlag

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  Über die Sprache der Jakuten
  Sacha-Jakutien  

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